Vom EuroSpeedway

... wirklich erlebt

Seit 3 Tagen sichere ich als Notarzt eine Einladungs-Veranstaltung von Michelin ab. Täglich kommen neue Gäste, die unter strengsten Auflagen in Rennautos einsteigen und sie auch selbst fahren dürfen. Ganz sicher für die meisten von ihnen ein einmaliges Erlebnis. Es ist kein Wettkampf sondern nur ein Reinschnuppern, ein bißchen Kosten vom großen Gefühl, ein Rennauto, ob Porsche, Formel 3 oder eben auch mal als Copilot in einem Formel 1-Wagen, zu fahren. Für einen kurzen Moment hören wir, wie die Autos in kleinen Gruppen für wenige Runden über denGrand-Prix-Kurs des Lausitzrings fahren.

Dann ist wieder Stille. Die Fahrer werden wechseln und gleich wird wieder der Sound der Motoren zu hören sein. Es ist schon ca. 16.30 Uhr, der Formel 1-Wagen ist jetzt auch lautstark unterwegs und der heutige Feierabend nicht mehr weit. „EINSATZ!" - kein Motorenlärm mehr! „Laßt euch Zeit, ich muß noch mal wohin." Na, unsere Rettungsassistentin hat ja wohl die Ruhe weg! „Nimm Deinen Fotoapparat mit!" - Die Aufforderung des zweiten Rettungsassistenten paßt auch nicht ganz zur Situation. „Na, erschrocken?", Silvio lacht.

Die beiden können es eben nicht lassen. „Komm, wir wollen mal nach vorne an die Rennstrecke." Also nehme ich Jacke, Stifte und Fotoapparat und folge den beiden in den RTW (Rettungswagen). Auf geht's zur Rennstrecke. Auf der Boxengasse ist ein offener Pavillon aufgebaut. Darunter steht der Formel-1-Wagen. Auf der Start-Ziel-Geraden sind dagegen die Porsche unterwegs. Am Rand stehen die Gäste, alle in blauen Michelin-Overals und schauen interessiert, auch mal durch's Fotoapparat- Fenster zu. Wir sehen uns den Formel-1-Wagen näher an. Gewaltig!

Und von Komfort in der Fahrerschale keine Spur. Eine Sitzschale kann ich eigentlich nicht erkennen. Nur die Gurte lassen ahnen, wo Fahrer und hinter ihm der Beifahrer sitzen. Der nächste Gast steigt ein. Er rutscht ganz nach hinten und wird vom Veranstalterteam sicher angegurtet. Anschließend wird eine kleine Trennschale eingebaut. Es ist jetzt nur noch der Helm des Copiloten zu sehen. Vor ihm steigt nun der Rennfahrer ein. Auch er wird vom Team im Gurt befestigt. Nach Freigabe der Strecke wird der Formel-1-Wagen am Heck mittels Kompressor gestartet.

Der Motor brüllt los. Der Wagen rollt ein paar Meter sachte an und schießt dann plötzlich mit ohrenbetäubendem Donner vor. Das Schalten der Gänge ist in kurzer Folge nach zwischenzeitlichem Hochtouren des Motors in weitem Umkreis zu erkennen. Kurzes Abtouren und der Wagen geht nach links in die erste Kurve und entschwindet unseren Blicken. Es wird etwas ruhiger. Wie kann man auf so kurzer Strecke nur so schnell hochschalten und dann noch rechtzeitig in die Kurve fahren ohne auszubrechen??? Wir spekulieren und diskutieren Kompressor gestartet.

Der Motor brüllt los. Der Wagen rollt ein paar Meter sachte an und schießt dann plötzlich mit ohrenbetäubendem Donner vor. Das Schalten der Gänge ist in kurzer Folge nach zwischenzeitlichem Hochtouren des Motors in weitem Umkreis zu erkennen. Kurzes Abtouren und der Wagen geht nach links in die erste Kurve und entschwindet unseren Blicken. Es wird etwas ruhiger. Wie kann man auf so kurzer Strecke nur so schnell hochschalten und dann noch rechtzeitig in die Kurve fahren ohne auszubrechen??? Wir spekulieren und diskutieren fragt: "Willst du auch?"

Zum Überlegen bleibt keine Zeit. Meine Beine laufen schon Silvio in die Box zum Umziehen hinterher. 'Wenn was passiert? Ach, was soll schon passieren?' Jeder bekommt einen schicken blauen Overall, eine Helmmütze und passende Schuhe. Schnell noch die Formalitäten erledigt, gesund sind wir beide - vielleicht ein bißchen übermütig. Wir freuten uns trotzdem auf das, was wir gleich erleben würden. 'Dann wollen wir mal unseren neuen NEF (Notarzteinsatzfahrzeug) testen.' dachte ich. 'Aber ist das Wägelchen nicht doch ein bißchen zu kräftig für sein Leicht-Gewicht?'

Silvio steigt als Erster ein. Kathrin wollte an diesem Spaß nicht aktiv teilhaben und 'darf" uns jetzt fotografieren. Der Motor heult auf und ab geht die Fahrt. Nur eine Runde. „Lohnt sich eigentlich gar nicht." sagte Silvio noch. Und es dauert auch keine zwei Minuten und der Wagen steht wieder unter dem Pavillon. Silvio steigt aus. Schwankt er? Nein, und auch er ist überwältigt. Nun bin ich an der Reihe. Ich ziehe die Handschuhe an und bekomme noch den Hinweis, den Knopf in der Hand fest zu drücken. Wenn ich loslassen sollte, würde der Wagen sofort anhalten. 'Ist o.k.', dachte ich.

Diese weitere Absicherung ist notwendig. Es ist eben doch kein Spielzeug, in das ich da einsteige. Das Team gurtet mich fest und die Trennschale wird montiert. Ich schaue noch in den Fotoapparat, winke und hoffe, daß die Bilder etwas werden. 'Diese Gelegenheit, in solch ein Auto zu steigen, bekomme ich sicher nie wieder'. Inzwischen ist der Pilot vor mir eingestiegen, die Gurte sind angelegt. Ich schau links seitlich nach vorn. Die erste Kurve ist vielleicht 300 m vor uns. Da brüllt es hinter mir auf. Der Wagen stürmt nach vorne, tourt ohrenbetäubend hoch. Klack, nächster Gang.

Kurzes Aufbrüllen und wieder Klack - noch ein Gang höher. An Genießen des Augenblicks ist nicht zu denken. Die DEKRA-Kurve kommt immer näher. 'Na ja, wenn er den Grand-Prix-Kurs verfehlen sollte, geht's eben auf dem Trioval weiter', da greifen die Bremsen. Trotz Gurt spüre ich den Ruck nach vorn. 'Doch verfehlt! Die Kurve schafft er nicht mehr!' - und trotzdem biegt er plötzlich links ab. Ich kippe ein wenig nach rechts und die Kraft hinter mir läßt einfach nicht nach. Der Motor dröhnt hoch, kurzes Bremsen und leichte Rechtskurve. Das letzte mal bin ich vor mehr als 20 Jahren in Budapest

in einer großen Achterbahn gefahren. Seit dem nur noch einmal mit unserer Tochter auf dem Weihnachtsmarkt in einer Achterbahn für Kinder. 'Nie wieder!' dachte ich da noch. Linkskurve, und ab auf die Gegengerade. Nimmt denn das gar kein Ende? Der Wagen schießt wieder vor, Mich drückt eine nicht gerade sanfte Kraft nach hinten, hinter mir dröhnt es, als wenn wir gejagt werden. Klack! - nein diesmal war es mein Helm an der Trennwand. Die Bremsen griffen so ca. 50 m vor der Linkskurve. Am Wochenende hab ich diesen Bereich der Rennstrecke beobachten müssen und gesehen,

wie oft Autos doch geradeaus an der Kurve auf's Trioval vorbei schossen oder sich auf dem Asphalt drehten und manchmal sogar im Kiesbett landeten. Hart links und gleich wieder rechts, lange linke Kurve und das Ding unter mir faucht immer kräftiger werdend vorwärts. Klack! Nächster Gang und das Heck dröhnt als wenn es bersten wollte. Klack! 'Mensch, da vorn kommt 'ne scharfe Rechtskurve-die APCOA-Kehre!' 'Halte den Knopf!' denk ich noch. 'Vor dir sitzt jemand, der sein Handwerk versteht.', 'Halte den Knopf bloß fest!'

Wieder stößt mein Helm gegen die Trennwand. Die Bremsen arbeiten. Gott sei Dank! Ich kenne die Geschwindigkeit nicht, aber mein Gefühl sagt mir, mit diesem Tempo würde ich wohl max. geradeaus, aber keines Falls eine fast 180°-Kurve durchfahren. 'Nehmen wir jetzt innen die Kerbs mit?' Ich kann das rechte Vorderrad nur oben sehen. Es rubbelt aber nicht, dafür scheint das Heck nach links auf Reisen zu gehen. Was hab ich da über Physik gelernt? Fliehkräfte oder so ähnlich, aber irgendwie klebt der Wagen förmlich am Asphalt. Und schon wieder geht es los. Das Tier hinter mir läßt nicht locker, brüllt auf und der Wagen flieht nach vorn. Laß es zu Ende gehen! Angst - nein, die hab ich nicht. Aber wo soll mein Kopf nun schon wieder hin. Rechts, links und es nimmt kein Ende.

'Halte den Knopf! Du hast es gleich geschafft!' Da geht's in die Boxengasse. Aber nein, wieder dieser ohrenbetäubende Schrei hinter mir. Klack! Der Motor tourt wieder kurz hoch. 'Aber nun ist Schluß!?' Klack! Und der Wagen schießt weiter vor. Geht's jetzt rechts am Pavillon vorbei? Noch eine Runde? Was passiert jetzt? Die Bremsen greifen, der Motor verstummt und wir rollen noch 10 Meter bis unter den Pavillon. Es ist vorbei. Schon? Endlich!? Ich weiß es im Moment noch nicht. Zunächst denke ich nur, 'ein bißchen kleiner tut's auch.' Geschäftiges Treiben am Auto. Wieder gespannte Blicke diesmal zu mir. „Alles o.K.!" sage ich und hebe mich aus der Kabine. Bewegt sich da unter mir noch der Boden?

Quatsch! Ich stehe fest und muß die Gefühle sortieren.

'Ne, das brauchst du nicht noch mal.' sag ich mir. Das war Schwerstarbeit. Ich habe Achtung vor dem Piloten. Es ist unfaßbar, wie man solch ein Kraftpaket in einem Rennen inmitten weiterer Wagen heil und in jedem Moment überlegt steuern kann. Sicher alles Training. Und während ich alles aufschreibe, drängt sich sogar ein bißchen das Wort 'Sucht' in meine Überlegung. Es war ein Erlebnis hart am Limit für mich, ein Drahtseilakt zwischen alltäglicher Vorstellung und technisch Machbarem.

 

Danke an den Veranstalter Michelin!

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