Die Peene

von Malchin bis Usedom

vom 15.07. bis 21.07.2002

Teilnehmer: Gerhard

Boote: 1 Rallye PE

Bei einem Besuch in Malchin ging ich als eingefleischter Paddler mit meinem Freund auch zur Wasserfreizeit Kösters Eck und Mietstation des kanuhaus.de. Dort fiel mir auch ein Kunststoff-Bavaria-Einer mit Ladeluke auf. Da mir der Faltboottransport von Leverkusen nach Malchin doch sehr mühsam ist, fragte ich mal bei Herrn Bremer, wie denn die Mietkonditionen mit Zubehör wären, die mir im Großen und Ganzen auch zusagten. So wurde dann für 2002 eine Peenetour mit dem Mietkanu verabredet und vorbereitet. Im Juli 2002 war es dann soweit. Voller Erwartung erschien ich am Kösters-Eck mit meinen 20 kg Gepäck auf dem Rücken. Bis alles verstaut war dauerte und dauerte es. Dann fehlte noch die Spritzdecke - und das bei auffrischendem Nordwind. 'Wenn dat man gaut geit', dachte ich. Zunächst lief es auf der Peene ganz gut und schon hier beeindruckte mich das Gewässer. Viel, viel Natur gleich hinter Malchin, blühendes Pfeilkraut, Eisvögel und ein fast undurchdringlicher Binsenwald nehmen mich gefangen. Der Kummerower See kam im näher, mir wurde immer bänglicher. Mein Tagesziel bis Aalbude oder noch weiter war gedanklich schon abgehakt. Die Wellen ohne Spritzdecke zu nehmen,

entpuppte sich als unmöglich. Im Kolping-Ferienwerk erwischte ich ein schönes Zimmer und die versprochene Spritzdecke wurde auch noch gebracht. Ein Unwetter ging nieder und ich war froh nicht zelten zu müssen. Eins war mir jetzt schon klar: Wer sich zu viel vornimmt, erreicht fast nichts. Umgekehrt führen kleine Ziele manchmal zu großen Erfolgen. Das hat sich auf der ganzen Fahrt bestätigt.

Am nächsten Morgen dicker Nebel mit leichtem Ostwind. Heute wollte ich es bis Demmin schaffen. Erst einmal mußte ich den See überqueren und im Nebel den Peeneausfluß bei Aalbude finden. Als ich die rote Tonne zur Einfahrt nach Neukalen sah, wußte ich, daß ich auf dem richtigen Weg war. Aus zwei Gründen kann man nicht immer ufernah fahren. Da sind erst einmal die vertrackten Stellnetze und Reusen, die einen weit auf den See abdrängen. Wehe man bliebe mit dem nicht hochziehbahren Steuer in den diversen Schnüren, die bis ans Ufer reichen, hängen! Weiterhin sind die Schilfgürtel derart dicht, daß ein Landgang unmöglich wird, letzteres gilt auch fast für den ganzen Peenelauf und auch für das Usedomer Achterwasser. Wenn man also so etwa am Vormittag in Malchin losfährt, sollte man es mit der Zufahrt zum See und seiner Überfahrung bewenden lassen und entweder in Verchen oder Aalbude übernachten. Bis Demmin hat man dann eine gemütliche Tagestour, findet auch manchen Lande- und Badeplatz und ist auf dem Wasserwanderplatz gut aufgehoben.
Die weitere Tagestouren sind eigentlich etwas schwierig. Zwischen Demmin und Jarmen gibt es zwar einen Wasserwanderplatz, der aber für Paddler kaum geeignet ist und auch noch zu nahe an Demmin liegt. In Jarmen geht mit Zelten gar nichts, mir blieb nichts anderes übrig, als mir in der Stadt ein Quartier zu suchen. Da gibt es fast nur eine Möglichkeit. Man fährt an der Kaimauer des großen Speicher bis ans Ende entlang. Dort zweimal scharf rechts und man erreicht eine Schräge und einen Anlegesteg. Entlang der vielbefahrenen Straße karrt man dann bei einer Tankstelle über die Straße zu einer Pension, die etwas mit Eiche zu tun hat.

Ansonsten findet man nur 6 km hinter Jarmen in Gützow an der Swinowmündung (rechts) eine Zeltmöglichkeit. Wilde Zeltmöglichkeiten gibt es fast keine, da Naturschutz, Schilfgürtel und Nasswiesen das beinahe unmöglich machen. Gute Einkaufsmöklichkeiten gab es auch in Loitz und vor Anklam in Stolpe, daß man auch wegen eines guten Landeplatzes, Zeltmöglichkeiten und sehr gutem Fischrestaurant, nicht auslassen sollte. Die Türme von Anklam tauchten schon sehr frühzeitig aus dem Schilfmeer auf und dort hat man viele Möglichkeiten der Übernachtung. Gleich am Anfang ist der Anglerverein mit großer Wiese aber etwas primitiven Sanitäreinrichtungen. Ich blieb dort für € 2,00 über Nacht. Sehenswert in der Stadt sind die zwei großen Backsteinkirchen, Reste der Stadtbefestigung und natürlich das Otto Lieliental Museum, daß ich aber leider nicht mehr schaffte. Weiterhin gibt es noch in der Nähe der großen Brücke zwei Wassersportvereine mit Zeltmöglichkeiten. Hinter Anklam wird die Peene auf den letzten 10 km sehr breit und der Schilfgürtel immer höher und undurchdringlicher. Ich fand nur eine Stelle zum "Pipi" machen! Bald mündet die Peene in den Peenestrom, wo bei der Brücke halblinks gegenüber ein gutes Restaurant ist. Nach rechts kann man dann weiter zum Oderhaff und nach Ückermünde paddeln. Ich selbst fuhr auf dem Achterwasser, mich immer rechts haltend, bis Rankewitz auf dem Lieper Winkel, wo ich wegen eines Unwetters ein billiges Quartier in der "Eiche" nahm. Ich wollte eigentlich noch weiter bis zum Zeltplatz Lütow, aber Unwetter und Sturm machten das auch am nächsten Tag unmöglich, so daß ich mein eigentliches Ziel Wolgast nicht erreichte.
Aber der Kanuverleih holte auch hier das Boot ab. Problemlos konnte ich mit Bus und Bäderbahn auf Usedom meine Weiterreise nach Wolgast antreten. Quartiersuche in den sogenannten Kaiserbädern in der Hochsaison, so gut wie unmöglich.

Fazit meiner sechstägigen Tour: Sehr viel Natur und über Stunden außer Naturgeräuschen kein Mensch und kein Motor. Das Schilfmeer ist so überwältigend und die Landschaft so allgegenwärtig, dass man auch vom Mecklenburgischen Amazonas spricht, was die Breite des Flusses mit einschließt. Die Wasserqualität ist so gut, dass man fast überall baden kann, wenn man dann eine Stelle findet und die auch ohne langes Überlegen nutzen sollte. Badehose bleibt im Gepäck.

Gerhard aus Leverkusen

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